
In den Ötztaler Alpen rund um Vent
Ein Bericht zur Tour vom 24. August bis 1. September 1996

Ausrüstung :
Zusätzlich zur normalen Ausrüstung für eine 1-wöchige Hüttentour in den Alpen pro
Person die komplette Gletscherausrüstung (Klettergurt, Steigeisen, Eispickel,
mindestens 2 HMS-Karabiner, Bandschlingen, Reepschnüre, nicht zu vergessen
Gletscherbrille, etc.) und 2 Halbseile a 50m und 5 Eisschrauben für die Gruppe.
Teilnehmer an der Tour :
Steffen Oehme, Thomas Frank, Axel Bischof, Jürgen, Tino Maul,
Rainer Polster, Konstanze Keller, Annegret Baumann, Anke Schröter,
Rita Thürpe
Im Folgenden enthaltene Angaben über Höhenmeter beinhalten nur die aufwärts
gestiegenen Höhenmeter.
Samstag, 24. August 1996
- Anfahrt nach Vent und Aufstieg von Vent (1896m) zur Martin-Busch-Hütte
(2501m);
- 595 Höhenmeter, 2:56 h
- Keine Überaschungen, schöne Hütte und gute Unterkunft.
Sonntag, 25. August 1996
- Eingehtour rund um die Martin-Busch-Hütte (2501m)
- Zunächst entlang der rechten Seite des Niederjoch Baches zum Niederjochferner.
Wir führen nochmal Spaltenbergungsübungen auf dem flachen Gletscher durch.
Danach Aufstieg zur Similaunhütte (3019m) und entlang des Grates westwärts über
Jochköfel (3143m) zur Ötzi-Fundstelle am Hauslabjoch (3279m). Auf dem Weg
entlang des Kammes versteigen wir uns an einer Stelle ca. 100m, da der Weg
mißverständlich markiert ist. Wir wollten an dieser Stelle dem Grat weiter folgen,
während der Weg in die rechte Flanke ausweicht und dort einen unwegsameren
Abschnitt unten herum umgeht. Vom Hauslabjoch über das Firnfeld zur Martin-
Busch-Hütte zurück.
- 985 Höhenmeter, 10:03 h
Montag, 26. August 1996
- Von der Martin-Busch-Hütte (2501m) über den Marzellkamm-Weg zum
Niederjochferner - gut gangbarer Steig. Bei guter Sicht während des Aufstieges
erreichen wir den Gletscherrand auf 3100m Höhe auch noch bei recht gutem
Wetter und sehen in der Nordflanke des Similaun starken Steinschlag abgehen.
Nach ca. 150m auf dem Gletscher sind wir in den Wolken und setzen den Aufstieg
bei annähernder Null-Sicht auf dem Normalweg auf den Similaun (3606m) fort.
Gipfelgrat gut passierbar und nicht so ausgesetzt wie erwartet und gelegentlich
berichtet (wechselnde Bedingungen). Gipfelrast bei ca. 25m Sichtweite. Von hier
Abstieg zur Similaun-Hütte und auf Weg vom Vortag zurück zur Martin-Busch-
Hütte.
- 1175 Höhenmeter, 9:20 h
Dienstag, 27. August 1996
- Von Martin-Busch-Hütte (2501m) zunächst zum Marzellferner und soweit
ausgearpert unschwierig auf diesem aufwärts. Zum Glück noch im flacheren und
spaltenfreien Teil bekommt ein Freund von uns unerwartet einen epileptischen
Anfall. Er wird von 2 anderen Kameraden zur Hütte zurück begleitet. Der Rest der
Gruppe setzt mit ca. 1:20h Zeitverlust den Aufstieg fort. Über den Marzellferner
steigen wir erst an einigen wenigen Spalten vorbei und dann über weite
Schneefelder (mit einigen schlecht sichtbaren Spalten, da ca. 20cm Neuschnee)
unterhalb der NO-Flanke der Hinteren Schwärze zum Hinteren Schwärzen Joch
(3400m). Diesseits ca. 1.50m breite Randkluft zu überwinden, dann nochmaliger
steilerer Anstieg in die Scharte, dann auf anderer Seite ca. 20m abgeseilt (brüchig).
Auf der anderen Seite über seitlichen Ausläufer des Schalfferner in das Tal des
Gletscherbaches. Weg deutlich spaltenreicher als der Aufstieg; im unteren Teil 50m
hohe Steileisflanke. Wir kommen (in Laufrichtung zur Hütte) rechtsseitig des
Gletscherbaches vom Gletscher herunter, was nach Karte korrekt ist, sich aber in
der Folge als falsch erweist. Großes beeindruckendes Gletschertor. Zunächst folgen
wir dem Bach auf der nördlichen Seite, bis wir am anderen Ufer rote Markierungen
bemerken. Brücken gibt es hier nicht. Uns läuft mittlerweile auch die Zeit davon -
es ist ca. 20.00 Uhr abends und es wird zusehends dämmriger. Nach einigen
Überlegungen entschließen wir uns zur Bachüberquerung an der einzigen
geeigneten Stelle, wo sich der Bach 3-teilt. Wir folgen den Steigspuren und
Markierungen, bis wir sie in der Dämmerung endgültig verlieren. Mittlerweile
sehen wir aber die Lichter der Hütte, auch wenn uns noch ein wegloser
Schrofenhang und mehrere Bäche von der Hütte trennen. Noch 2-malige
Gletscherbach-Durch-/Überquerung (keine Brücken !); tastende Erklimmung des
Schrofenhanges und in hereinbrechender Dunkelheit erreichen wir die Martin-
Busch-Hütte. Unsere 3 Freunde hatten uns mit dem Fernglas von der Terasse aus
gesehen und waren uns mit Taschenlampen entgegengekommen.
Ankunft gegen 21.45 Uhr an der Hütte und auch noch was Warmes zu essen
bekommen. Wahrscheinlich noch nie so nah an einer Biwaknacht gewesen.
- 1215 Höhenmeter, 13:15 h
Mittwoch, 28. August 1996
- Schnee in der Nacht. Wir verzichten auf den Übergang über den Saykogel. Abstieg
von der Martin-Busch-Hütte (2501m) nach Vent (1896m). Von hier erneuter
Aufstieg über die Rofenhöfe, durch das sehr schöne Tal der Rofenache zum
Hochjochhospiz (2412m).
- 630 Höhenmeter, 8:50 h
Donnerstag, 29. August 1996
- Weiterer Aufstieg vom Hochjochhospiz (2412m) zum Brandenburger Haus
(3272m).
- 890 Höhenmeter, 4:00 h
- Am Nachmittag Aufstieg über den ebenen Kesselwandferner und das Obere Guslär
Joch (steile Schneeflanke) auf den Fluchtkogel (3500m).
- 325 Höhenmeter, 3:00 h
Freitag, 30. August 1996
- Vom Brandenburger Haus (3272m) über Gepatschferner, Joch (3343m) zwischen
Zinne und Hinterer Hintereisspitze auf die Hoch Vernagl Wand (3435m) und
dessen westwärts gelegenen Nebengipfel.
- Im Weiteren Ersteigung von :
Hinterer Hintereisspitze (3486m)
- steiler Firnanstieg von Osten
Mittlerer Hintereisspitze (3451m)
- Anstieg durch Schneerinne, Abstieg durch 2. Schneerinne, kombiniertes Gelände
Vorderer Hintereisspitze (3437m)
- Anstieg zunächst durch seitliche Schneerinne, dann über teilweise ausgesetzten Blockgrat
(überschneit), Abstieg über Grat in ganzer Länge
in nördlicher Richtung auf den Ferner
- Von hier Rückkehr zum Brandenburger Haus.
- 770 Höhenmeter, 10:00 h
- Eigentlich wollten wir es an diesem Tag auf sechs 3000-er bringen, aber es braucht
halt alles seine Zeit und das Wetter wurde zum Abend hin auch schlechter.
Trotzdem eine sehr schöne Tour gewesen.
Samstag, 31. August 1996
- Übergang vom Brandenburger Haus (3272m) über das Guslär Joch (3311m) auf
den Guslärferner. Da schlechte Sicht herrscht, treffen wir das Joch nicht 100%-ig
genau. Beim Abstieg kommen wir in stark hängendes Gelände oberhalb eines
Gletscherbruches und müssen nochmals auf den Kamm zurück, um den Bruch in
nördlicher Richtung zu umgehen. Dann über den Guslärferner zur Vernagt-Hütte
(2755m). Am unteren Ende des Ferners erfüllen wir Konstanze noch ihren Wunsch
und lassen sie ca. 15m in eine geeignete Gletscherspalte ab. Bergung hat auch
funktioniert, so daß sie uns demnächst wieder begleiten kann ;-) . Über Höhenweg
von der Vernagt Hütte zur Breslauer Hütte (2840m) (575 Höhenmeter, 8:07 h).
Sonntag, 1. September 1996
- Abstieg von der Breslauer Hütte (2840m) zur Bergstation der Sessellift-Anlage Auf
Stablein (2356m); Abfahrt mit dem Lift nach Vent
- (0 Höhenmeter, ca. 1:30 h)
- Heimfahrt
Insgesamt 7195 Höhenmeter im Auf- und Abstieg in 9 Tagen.
Zur Tour gibt's außerdem noch :
-
den ursprünglichen Tourenplan, so wie wir ihn vorhatten
und den Artikel aus der Freien Presse vom 8. Oktober 1996

Story by
Thomas F.;
Bilder gibt's eventuell auch noch irgendwann mal; Chemnitz, den 26. Oktober 1996